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Regina Vollbrecht und Niels Bubel

Bereits zwei Tage nach dem Run of Spirit, stand ich erneut an einer Startlinie. Diesmal aber nicht alleine. Zum dritten Mal in meinem Leben wollte ich die blinde Berliner Läuferin Regina Vollbrecht eine Freude machen und sie bei dem Rennen um den Meister aller Klassen über 10000 Meter als Guide begleiten.

Meister aller Klassen heißt der Wettkampf deshalb, weil alle gelaufenen Zeiten je nach Alter des Läufers und der Läuferin mit einem Faktor kleine als eins so multipliziert werden, dass man alle Leistungen trotz Altersunterschiede vergleichen kann. Somit hat oft nicht gerade derjenige gewonnen, der als erster im Ziel ist.

Bei ausdauerndem Nieselregen hatten sich immerhin 25 Laufverrückte auf einer Rundbahn mitten im Herzen Berlins zusammengefunden. Die Stimmung an diesem Mittwoch Abend war dennoch sehr heiter. Was gibt es auch Schöneres, als sich nach einem Lauf im Regen auf eine heiße Dusche zu freuen? Das Laufteam vom PSB 24 Berlin hatten uns herzlich empfangen und sogar für jeden Teilnehmer einen Rundenzähler organisiert.

Ich ging mit Regina entspannt aber zielgerichtet ins Rennen. Sie hatte erst vor einem Monat bei den Deutschen Meisterschaften ihre Premiere über 100 Kilometer in einer so beachtlichen Zeit von 9:47 Stunden vollbracht, dass sie auf der Distanz nun zu den Top 20 Deutschlands gehört. Da hat Regina mir schon einiges voraus. Von dem Ultralauf war sie inzwischen auch schon soweit wieder erholt, dass sie die Doppelbelastung mit dem Run of Spirit und dem Meister aller Klassen in Angriff nahm. Für unseren gemeinsamen Lauf hatte sie genaue Vorstellungen. Ich war somit nicht nur ihr Guide, sondern auch ihr Taktgeber. 54 Sekunden für jeden 200-Meter-Abschnitt sollten es erstmal sein. Nachdem ich meine Schrittlänge an ihre angepasst hatte, funktionierte das ab der zweiten Runde auch nahezu perfekt. So synchron wie zwei Tänzer drehten wir unsere Runden, wobei es bei der Eleganz sicherlich Abzüge gegeben hätte. Zum Glück drückte unsere Rundenzählerin ein Auge zu und feuerte uns dennoch an. Wir kamen richtig gut zurecht. Regina spürte zum Ende sogar noch aufgesparte Kraftreserven und legte noch ein wenig zu. Mit einem beherzten Endspurt liefen wir nach 44:32 Minuten ins Ziel ein. Nach Beachtung der Alterskorrektur bedeutet dies eine errechnet Zeit von 43:44 Minuten.

Der Lauf war für mich etwas ganz besonderes. Es ist für mich immer noch sehr ungewohnt, während des Laufens die Verantwortung für eine zweite Person zu übernehmen. So wird aus der Einzel- eine echte Teamsportart Laufen. Zwar wird es aufgrund unserer Größe und Zeitvorstellungen eher eine Ausnahme bleiben. Dafür kann ich mich dann besonders darauf freuen, mit der schnellsten blinden Läuferin der Welt ein paar Runden oder mehr zu drehen.